Gemeinschaftsübung von Feuerwehr und Bergwacht am Hohenbogen
Die Männer an der Kreuzung wirken beinahe, als würden sie auf den nächsten Wanderer warten. Einer trägt Warnweste, der andere hält Funkgerät und Unterlagen in der Hand. Hinter ihnen steht ein Löschfahrzeug am Waldrand, die Front zur Straße gedreht. Keine Hektik, kein Blaulicht, keine sichtbaren Verletzten. Aber dennoch wird dieser Freitagabend den Hohenbogenparkplatz als Szenerie für eine große Übung von Feuerwehr und Bergwacht für sich nutzen. Auf dem Parkplatz stehen zwei Fahrzeuge ineinander verkeilt hinter einem Traktoranhänger. Der silberne Kombi ist an der Seite tief eingedrückt, davor steckt ein kleiner Wagen unter dem Aufbau des Anhängers. Glassplitter liegen auf dem Asphalt, die Fahrertür hängt offen. Niemand sitzt mehr in den Fahrzeugen. Trotzdem wirkt die Szene nicht verlassen. Zu deutlich erzählen die beschädigten Karosserien noch von der Wucht des Aufpralls, der mittels Baggerschaufel am Freitagnachmittag auf den Wagen wirkte.
Zwischen den nach und nach eintreffenden Einsatzwagen der Neukirchner und Eschlkamer Wehren liegen Schläuche, Spreizer und Werkzeug ordentlich nebeneinander. Feuerwehrleute laufen zwischen den Fahrzeugen hindurch, ziehen Handschuhe zurecht, tragen hydraulische Rettungsgeräte an die Unfallstelle. Jeder Handgriff sitzt. Viel zu hören ist nicht — Schritte über Asphalt, kurze Kommandos, Metall auf Metall. Die Feuerwehren aus Neukirchen beim Heiligen Blut und Eschlkam üben an diesem Abend gemeinsam mit der Bergwacht nach diesem Drehbuch: Ein schwerer Verkehrsunfall mit mehreren Fahrzeugen, eingeklemmten Personen und Verletzten im unwegsamen Gelände. Acht Betroffene umfasst das Szenario insgesamt. Die Lage verändert sich ständig. Neue Verletzte kommen hinzu, Patienten müssen reanimiert werden, Rettungshubschrauber werden angefordert. Das eigentliche Problem beginnt jedoch dort, wo die Straße endet. Zwischen jungen Fichten und alten Stämmen liegt ein blauer Kleinwagen auf der Seite. Zwei Feuerwehrleute arbeiten direkt am Fahrzeug, setzen Stützen an die Karosserie, sichern das Auto gegen Abrutschen. Sonnenlicht fällt schräg durch die Äste auf zerkratztes Blech und freiliegende Achsteile. Neben der Unfallstelle steht ein Feuerlöscher bereit. Weiter oben Richtung Nußbergl tragen drei Einsatzkräfte der Bergwacht eine Gebirgstrage den Hang hinauf. Zwei gehen vorne, einer folgt mit Notfallrucksack. Die Trage schwebt über dem Gras, beladen Material. Der Weg ist nicht steil genug, um spektakulär zu wirken — aber lang genug, um jeden Schritt schwerer werden zu lassen. Zwischen Wurzeln, Felsen und dichtem Gestrüpp beginnt die medizinische Versorgung oben auf dem Granitblock. Eine Einsatzkraft kniet neben einer verletzten Frau im Wald, spricht ruhig auf sie ein und stabilisiert ihren Kopf. Wenige Meter weiter versorgt eine Bergretterin eine weitere Verletzte unterhalb großer Felsen. Von unten wirkt das Gelände unübersichtlich: schmale Pfade, lose Äste, feuchter Boden. Jeder Standort muss erst erreicht werden. Gerade diese Abschnitte zeigen, warum die Zusammenarbeit der Organisationen geübt wird. Während die Feuerwehr die technische Rettung an den Fahrzeugen übernimmt, arbeitet die Bergwacht dort weiter, wo Fahrzeuge und Straßen nicht mehr helfen. Mehrfach müssen Prioritäten gesetzt werden, weil mehrere Verletzte gleichzeitig versorgt werden sollen. Auf dem Parkplatz läuft die Übung derweil weiter. Hinter dem Traktoranhänger drängen sich mehrere Feuerwehrleute eng an die Seite eines Unfallwagens. Mit einem Spreizer öffnen sie Stück für Stück die Karosserie. Unter dem Fahrzeug liegen Holzklötze zur Stabilisierung, daneben glitzert Sicherheitsglas auf dem Asphalt. Der Platz zwischen Fahrzeug und Anhänger ist eng. Jeder gewonnene Zentimeter wirkt mühsam erarbeitet. Nur wenige Meter daneben knien Einsatzkräfte um eine Reanimationspuppe. Ein Feuerwehrmann drückt rhythmisch auf den Brustkorb, während ein Mitglied der Bergwacht die Beatmung vorbereitet. Handschuhe, Verpackungen und medizinisches Material liegen verstreut auf dem Boden. Rundherum beobachten weitere Helfer die Szene und warten auf ihren nächsten Einsatz. Trotz der Größe der Übung wirkt vieles erstaunlich ruhig. Keine sichtbare Aufregung, keine hektischen Bewegungen. Gerade das fällt auf. Die Einsatzkräfte arbeiten konzentriert, fast routiniert. Doch hinter dieser Ruhe steckt ein System aus Funkverkehr, Lageübersicht und klar verteilten Aufgaben. Für die Übung wurden mehrere Einsatzabschnitte gebildet, die über unterschiedliche Funkkanäle koordiniert werden. Eine eigene Führungsunterstützung behält dabei den Überblick über Fahrzeuge, Verletzte und Einsatzorte. Für die Beteiligten ist genau das der entscheidende Punkt solcher Übungen: Abläufe trainieren, bevor aus einer Übung Realität wird. Und vor allem gilt es, die Kommunikation zwischen den Organisationen zu üben, damit es im Ernstfall reibunslos klappen kann.
Text&Bild: Dominik Altmann














